Wohnimmobilien in Deutschland zählen aufgrund der anhaltend hohen Nachfrage, der ausgeprägten Krisenresilienz und der strukturellen Wohnraumknappheit weiterhin zu den bevorzugten Anlagezielen. Strategien wie Manage to Core und Manage to ESG gewinnen dort an Relevanz, wo gezielte Maßnahmen substanzielle Wertsteigerungen ermöglichen. Für die kommenden Monate rechnen Investoren mit steigenden Kaufpreisen – allerdings mit einer moderateren Dynamik als in den Vorjahren. Im Mietmarkt erwarten Anleger in den Top‑7‑Städten wie auch in Sekundärlagen Zuwächse von mindestens 2,5 Prozent.
Die Ergebnisse basieren auf der Wohnimmobilienumfrage 2026 von Cushman & Wakefield, an der im Januar und Anfang Februar 117 Marktakteure teilgenommen haben. Rund die Hälfte der Befragten stammt aus dem Asset- und Investmentmanagement, 26 Prozent – deutlich mehr als im Vorjahr – aus der Projektentwicklung. Zudem beteiligten sich Private‑Equity‑Investoren, REITs, Versicherungen, Fondsmanager und Family Offices. 41 Prozent verfügen über Bestände oder Entwicklungsvolumina von mindestens 2.500 Einheiten, während 35 Prozent weniger als 500 Einheiten halten.
Jan-Bastian Knod, Head of Residential Investment Germany bei Cushman & Wakefield, kommentiert: „Die Assetklasse Wohnen präsentiert sich als zukunftssichere und chancenreiche Investitionsmöglichkeit. Wer jetzt aktiv wird, profitiert von einer stabilen Ausgangsbasis, klaren Wachstumsperspektiven und vielfältigen strategischen Optionen.“
Wachstum mit geplanten Verkäufen gewinnt an Bedeutung
Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage zeigen eine Verschiebung der strategischen Ausrichtung zugunsten eines Wachstums in Verbindung mit geplanten Verkäufen. 40 Prozent der Befragten nennen dies als bevorzugte Strategie (nach 32 % im Vorjahr). Gleichzeitig verlieren sowohl der „Fokus auf Bestandsmanagement bei gleichzeitiger Offenheit für An- und Verkäufe“ als auch wachstumsorientierte Strategien ohne geplante Veräußerungen leicht an Gewicht. Jan-Bastian Knod: „Viele Marktakteure steuern ihre Portfolios aktiver und nutzen Marktchancen gezielter.“Wertschöpfungspotentiale realisieren: Wachsendes Interesse an Core+ und Value-Add
Investoren haben weiterhin hochwertige Core-Immobilien als Anlageziel, 49 Prozent der Befragten haben sich bei der entsprechenden Frage so entschieden. Allerdings hat das reine Core-Segment im Vergleich zum Vorjahr leicht an Attraktivität verloren: deutlich stärker nachgefragt werden Core+ (61 %) und Value Add Strategien (58 %). „Investoren möchten vermehrt Wertschöpfungspotenziale während der Halteperiode realisieren. Konzepte wie Manage to Core gewinnen weiter an Bedeutung: Bestandsobjekte mittlerer Qualität werden gezielt durch Investitionen zu Core-Produkten entwickelt“, so Knod.ESG verliert weiter an Relevanz – bleibt aber ein Faktor
Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage lassen erkennen, dass das Thema ESG zumindest aus der Sicht der Befragten bei Investitionsentscheidungen zwar nach wie vor relevant bleibt, ihre Bedeutung allerdings abnimmt. Waren im Vorjahr insgesamt 76 Prozent der Befragten der Meinung, dass ESG für Investitionsentscheidungen „Äußerst relevant“ bzw. „eher relevant“ ist, sank dieser Anteil in der 2026er Umfrage auf 64 Prozent.Investorenlieblinge: Klassisches Wohnen im Bestand oder Neubau
Die aktuelle Umfrage von Cushman & Wakefield bekräftigt noch einmal die Ergebnisse der Befragung Anfang 2025. Auch wenn manche Bereiche des New Living wie Mikrowohnen, Studenten- oder Seniorenwohnen gefragter sind als im Vorjahr und manche in der Einschätzung nachlassen: das klassische Wohnen im Bestand und im Neubau bleibt nach wie vor ganz oben auf der Wunsch- oder Bestandsliste der Investoren. So investieren knapp 90 Prozent der Befragten in Bestandsimmobilien in Städten über 500.000 Einwohner, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von rund 20 Prozent. Auch bei Neubau können große Städte zulegen: mit 76 Prozent sind es 15 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Auffällig auch die steigenden Zustimmungswerte für Investments in Grundstücke, die vermutlich auf die stärkere Beteiligung von Projektentwicklern an der diesjährigen Umfrage basiert. Die drei deutschen Millionenstädte Berlin, Hamburg und München belegen mit Werten leicht oberhalb von 50 Prozent die Top-Plätze bei der Einschätzung der attraktivsten Investitionsstandorte, dicht gefolgt von Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf mit knapp unter 50 Prozent. Mit einigem Abstand folgen Köln, Leipzig, Dresden und Nürnberg (zwischen 27 und 29%).
Marktdynamik: Moderates Plus bei Kaufpreisen, deutlicher Anstieg bei Mieten erwartet
In den Top‑7‑Städten erwarten mehr als drei Viertel der Akteure eine steigende Transaktionsaktivität, rund 70 Prozent rechnen auch in Sekundärlagen mit wachsender Dynamik. Kooperationen rücken stärker in den Fokus, während alternative Wohnformen zwar gefragt bleiben, aber weniger dominant sind als im Vorjahr – ein Hinweis auf die Rückbesinnung auf klassisches Wohnen.Bei den Preisen zeichnet sich ein moderates Aufwärtsszenario ab. Für Neubauten in den Top‑7 rechnen etwa 60 Prozent mit Anstiegen zwischen 0,5 und 5 Prozent. In den Sekundärstädten fällt das Bild differenzierter aus: Rund 40 Prozent erwarten ähnliche Zuwächse, während 43 Prozent kaum Bewegung sieht.
Deutlich klarer ist der Trend bei den Mieten. In den Top‑7 gehen 71 Prozent im Neubau und 68 Prozent im Bestand von Zuwächsen ab 2,5 Prozent aus. Auch in den Sekundärstandorten rechnet mehr als die Hälfte der Befragten mit entsprechenden Steigerungen. Der Mietmarkt bleibt damit auf Wachstumskurs – allerdings mit einer Dynamik, die sich zunehmend normalisiert.